Bullshit – Ein Phänomen unserer Zeit.

Das Aufkommen von Internet und sozialen Medien hat uns neben vielen Vorzügen auch viele Herausforderungen beschert, ich denke an Themen wie „Handysucht“, „Digitale Demenz“ oder der Verlust der Fähigkeit, konzentriert zu arbeiten.

Ich möchte gerne auf eine Thematik eingehen, die mich aktuell am meisten stört: Das massenhafte Vorkommen von Bullshit. Sei es beim Zappen durch das TV-Programm, beim Surfen durch das Internet oder beim Öffnen gewisser Social Media Portale: Selbst-ernannte Experten schleudern uns ihre Halbwahrheiten entgegen und stehlen uns wertvolle Aufmerksamkeit.

Gut, fairerweise kann man einwenden, dass es schon immer belangloses Geschwätz, Gefasel, Hochstaplerei, Schwindel und Quacksalberei gegeben hat. Aber mit den sozialen Medien und der zunehmenden Geschwindigkeit und Omnipräsenz von Informationen jedwelcher Art ist ein Level erreicht, der eine eingehendere Auseinandersetzung mit Bullshit rechtfertigt.

Doch was meine ich genau damit? Dazu bedarf es einer kurzen Analyse des Begriffs, wobei ich mich bei Harry G. Frankfurt bediene, einem emeritierten Philosophie-Professor der Princeton University.

Forschungsgegenstand Bullshit

Er widmet sich in seinem zornigen Manifest „on Bullshit“ auf knapp 50 Seiten der Frage, was Bullshit sei, wie und weshalb er zustande kommt und was ihn von anderen unangenehmen Kommunikations-Formen wie z.B. der Lüge unterscheidet.

Aus seiner Sicht ist Bullshit immer dann unvermeidbar, wenn die Umstände Menschen dazu zwingen, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen. Dieses Phänomen beobachte ich je länger, je häufiger und diese Beschreibung dünkt mich recht zutreffend.

Diese Diskrepanz zwischen „etwas wissen“ und „darüber reden müssen“ findet sich häufig im öffentlichen Leben, seien es Möchtegern-Promis, überforderte Führungskräfte oder Politiker, die sich (aus eigenem Antrieb oder auf drängen anderer) über Dinge auslassen, von denen sie wenig (oder nur einseitig) Ahnung haben.

Schlimmer als die Lüge

Den Unterschied zur Lüge sieht Harry G. Frankfurt darin, dass Bullshit nicht zwingend wahrheitswidrig sein muss. Denn um zu lügen, muss man die Wahrheit kennen. Das ist dem Bullshiter aber egal, hauptsache Aufmerksamkeit, Reichweite und Beachtung. Das ist fast noch schlimmer.

Denn wenn sich jemand exzessiv dem Bullshiten hingibt, also nur noch danach fragt, ob Behauptungen ihm in den Kram passen und ihm helfen, seine (politischen, wirtschaftlichen) Ziele zu erreichen, kann seine normale Wahrnehmung der Realität darunter leiden oder sogar verloren gehen. Aus diesem Grund ist Bullshit der grössere Feind der Wahrheit als die Lüge.

Reden ist Silber…

Hätten wir öfter die Grösse, zuzugeben, dass wir etwas (noch) nicht wissen, würde sich diese Problematik mit Sicherheit etwas entschärfen. Doch in der heutigen Zeit ist das nicht opportun; jeder Experte hat eine eigene Erklärung für einen Sachverhalt.

Mir wäre eine Welt, in der die Leute mehr nachdenken und sich austauschen, bevor sie vorschnell ihre Antworten rausdonnern, lieber. Oder ehrlich sind und zugeben, wenn sie etwas (noch) nicht wissen.  Getreu dem gewährten Credo „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Oder angepasst auf diesen Blogbeitrag:

 

 

 

 

 

 

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